
Die Unruhe und ich
Warum guckst du so böse?
Ich denke nach.
Hast du so böse Gedanken?
Nein, aber mein kleines Kopfmonster kitzelt mir gerade die Schädeldecke.
Ein Gemisch aus Einsamkeit und Unruhe ist das Schlimmste, denn da kommen die Gedanken, das Abwegen und der Hass. Wenn jedes Urteil und jede Selbstjustiz bestraft werden würde, wäre ich Dauergast vor Gericht. Als Improvisationskünstlerin und Multitalsking fähiger Mensch steckte ich in der Rolle des Klägers, des Angeklagten und das Urteil läge auch in meinen Händen.
Meine Verbrechen sind einfach und meist klein, aber sie sammeln sich in einer dunklen Höhle, die mit den Gezeiten wächst. Und manchmal, wenn es flutet, überschwemmen die Deiche.
Alle Gedanken werden in die ewigen Fluten gelassen und tauchen ab. Danach ist alles vorbei und auch die Unruhe verschwindet leise. Ich kann wieder frische Luft atmen, den Schwindel genießen und beobachten wohin die Welt sich dreht.
Die Kontrolle ist eine Nicht-Kontrolle. Man hat die Durchsetzungskraft bis die Deiche brechen und man den Boden verliert.
Einen kurzen Moment schweben.
Der Fall ist zum einen eine Warnung- ein Schock, und zum anderen eine Bestätigung. Diese Groteske ist schwer verständlich und das muss ich verstehen lernen.
Jeder reagiert mit den selben Blicken - manche mehr, manche weniger-. Aber alle bedienen sich der selben Worte. Bei grässlichen Wahrheiten scheint der Wortschatz beschränkt.
Doch manchmal fangen meine Ohrmuscheln schöne Laute und es folgen Buchstaben, Wörter, Sätze… dringen in meine Welt. Und plötzlich schleicht sich ein Grinsen an und drückt sich unbemerkt, doch wohl durchdacht, auf meine Lippen. Gemeinsamkeit befreit. Das Gefühl der Erkenntnis ist fast so schön wie der Drehwurm in die Orientierungslosigkeit.
Aber irgendwann ist man dann auch wieder allein und dann spielen wir verstecken.
Die Unruhe und ich.